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Bericht über die Faserschulung im POLOLO-ShowRoom, Teil 3

Wolle aus Tierhaaren gilt als älteste vom Menschen verwendete Faser – schon in der Steinzeit sei das Fell der Nutztiere verwendet worden, erläuterte Gastsprecherin Heike Hess, Geschäftsstellenleiterin des Verbands der Internationalen Naturtextilwirtschaft (IVN), im dritten Teil der Faserschulung im POLOLO-ShowRoom. Die beiden vorhergehenden Artikel mit den Schwerpunkten Leder und Baumwolle finden Sie ebenfalls in unserem Blog. Auch filmisch haben wir den Vortrag zur Wolle festgehalten – sie finden diesen bei POLOLO auf YouTube: „Wolle – Die ,Klimaanlage‘ unter den Naturfasern“.

Australien heute Marktführer

Vor rund 12.000 Jahren hat der Mensch begonnen Garne zu spinnen. Die erste Schafzucht soll es im Iran gegeben haben. Seit dem 14. Jahrhundert erfreuten sich Merinoschafe aus Spanien besonderer Wertschätzung, im 19. Jahrhundert seien sie nach Ozeanien und Südamerika exportiert worden. Im 20. Jahrhundert ist laut Hess mit dem Aufkommen der Synthetikfasern die Wollproduktion in eine Krise geraten.
Mit rund 87 Prozent (2016) führt Australien die rund 100 Wolle produzierenden Länder an, gefolgt weit abgeschlagen von Neuseeland mit rund fünf Prozent sowie Argentinien und Südafrika mit je vier Prozent. Der jährliche Gesamtausstoß beträgt rund 100.000 Tonnen – mit leicht fallender Tendenz.

Massentierhaltung in der Kritik

Die intensive Massentierhaltung wirft ganz offensichtlich zahlreiche Probleme auf: Der routinemäßige Einsatz von Chemikalienbädern (z.B. mit Arsen) führt zu einer Anreicherung von Pestizidrückständen, d.h. Nervengiften, im Endprodukt. Die nicht-artgerechte Haltung und Verbringung zum Schlachthof sind mit dem Tierschutz unvereinbar – die Tiere werden Hunger und Durst, Krankheiten und Schmerz, Angst und Stress ausgesetzt. Hinzu kommt das umstrittene Mulesing, d.h. Entfernung der Hautfalten rund um den Schwanz zumeist ohne Betäubung und Desinfektion zur Prävention des Befalls mit Fliegenmaden.
In der kbT-Welt ist es das erklärte Ziel, kleine, robuste Herden artgerecht zu halten. Dabei wird auf Pestizidbäder verzichtet. Jedes Schaf wird einer Einzelschur unterzogen und Mulesing ist – außer in Australien – prinzipiell verboten.

Tierhaar-Wolle: Naturfasern mit vielen guten Eigenschaften

Wolle aus Tierhaaren weist fast nur positive Eigenschaften auf. Einerseits zeichnet sie sich durch eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit aus, andererseits trocknet sie schneller als Baumwolle oder Hanf. Sie muss ohnehin weniger häufig gewaschen werden. Allerdings neigt sie zum sogenannten Pilling (Knötchen- oder Fusselbildung) und Verfilzen – sie muss sorgsam bei niedrigen Temperaturen mit speziellen Waschmitteln und ohne Schleudern gewaschen werden.
Die hohe Atmungsaktivität sowie die gute Wärmeisolierung wirkten im Prinzip wie eine Klimaanlage. Natur-Wolle weise eine hohe Elastizität auf, sei knitterfrei und bakterienresistent, zudem schwer entflammbar, so Hess.