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Bericht über die Faserschulung im POLOLO-ShowRoom zum Thema Leder

In unserem zweiten Blog-Artikel zur POLOLO-Faserschulung behandeln wir nun das Thema Leder. Das von POLOLO verwendete Naturleder schmiegt sich wie eine zweite Haut an zarte Kinderfüße. Unsere Leder-Hausschuhchen sind daher die beste Alternative zum gesunden Barfußlaufen. Auch dieser von Franziska Kuntze gehaltene Vortrag wurde filmisch festgehalten – Sie finden diesen bei POLOLO auf YouTube: „Ökologische Naturleder – Händlervortrag von POLOLO“.

Ungefärbte, pflanzlich gegerbte Kuhhaut als Anschauungsobjekt

Sodann führte Kuntze in das Thema Naturleder ein. Zur Anschauung hatte sie eine rund fünf Quadratmeter große ungefärbte, pflanzlich gegerbte Kuhhaut mitgebracht, die eben auch Spuren des Lebens zeigte, also keine einheitliche Struktur aufwies.
Leder ist ein seit Jahrtausenden bekanntes Naturprodukt – zur Herstellung müssen Tierhäute durch Gerbung haltbar gemacht werden. POLOLO verwendet Nappa- bzw. Rauleder:
Rauleder sind in der Oberfläche geschliffene Leder mit einer mehr oder weniger samtigen Oberfläche. Sie werden auch als „Nubuk“ bezeichnet (narbenseitig). Rauleder aus dem Fleischspalt nennt sich „Veloursleder“ – Rauleder ist der Oberbegriff für alle velourigen Oberflächen im Lederbereich.
Als kleines Hintergrundwissen erzählte sie, dass heute oft von „Wildleder“ die Rede sei, wenn man eigentlich Rauleder meint – dies sei dann aber meist nur sogenannt, denn richtiges Wildleder stammt in der Tat von Wildtieren wie Hirschen, Rehen etc.

Chromat: Bedrohung für Umwelt, Gesundheit und Reputation

Kuntze berichtete, dass heute für das zur Herstellung von Kleidung und Schuhen verwendete Leder aufgrund des schnelleren und günstigeren Gerbprozesses vor allem Chrom verwendet wird – ca. 95 Prozent aller Leder entstammten der Chromgerbung. Bei kontrollierten Prozessen und etablierten hohen Umweltstandards sei die Gerbung mit Chrom akzeptabel – in der Praxis aber komme es in Folge fehlerhafter Handhabung immer wieder zur unerwünschten Ausbildung des gesundheitsschädlichen Chromats. Dieses gilt als allergen wirkend und steht auch im Verdacht, ein Karzinogen zu sein. Zudem stellten sich erhebliche Abwasser- und Entsorgungsprobleme (z.B. komme es evtl. auch zur Chromatbildung bei der Verbrennung von chromgegerbten Lederresten).
Für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette stellt Chromat eine Bedrohung dar, denn Leder mit einem Gehalt ab drei Milligramm je Kilogramm gelten als nicht mehr verkehrsfähig. So komme es leider gerade bei Kinderschuhen immer wieder mal zu Rückrufen – die Kundschaft suche oft nach günstigen Angeboten, ohne auf die Qualität zu achten. Ein Blick auf die sogenannte RAPEX-Liste übrigens zeige u.a. die aktuellen Produktrückrufe bei Kinderschuhen.

POLOLOs nur aus vegetabil gegerbten Ledern – ohne PU-Zurichtung und chemische Finishings

Aus den vorgenannten Gründen setzt POLOLO auf sichere, auch für Allergiker geeignete Produkte, und nutzt ausschließlich pflanzlich gegerbte Leder.
Kuntze zeigte als Beispiel für ein pflanzliches Gerbmittel Valonea-Eicheln sowie als Beispiel für einen mineralischen Gerstoff grünfarbenes Chrom in Pulverform. Chromgegerbte Leder seien grau-grün und machten somit stets eine anschließende Färbung notwendig.

Chemische Zurichtung von Leder

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Verzicht auf weitere chemische Zurichtungen bzw. Finishings des Leders. Denn eine makellose Oberfläche ohne Naturmerkmale gibt es bei Ledern nicht – so wie auch bei uns Menschen nicht, wo die Haut Mückenstiche, Pigmentänderungen, Verletzungen haben kann. Selbst unter hervorragenden Haltungsbedingungen tragen die Rinder während ihres Lebens kleinere Verletzungen davon, die sich auf der Lederoberfläche wiederfinden.
In der konventionellen Herstellung ist jedoch ein vollkommen einheitliches Oberflächenbild bei Leder ohne jegliche Naturmerkmale wichtig, um den Leder-Verschnitt zu optimieren. Hierfür greift man dann zu beschichteten bzw. gedeckten Ledern. Die Beschichtung oder Zurichtung des Leders egalisieren die Lederoberfläche. Dabei werden Kunststoffe eingesetzt, die nach ihrem Auftragen eine ebene und gleichförmige Fläche bilden. Unterstützt wird der Prozess durch Farbpigmente, die Farbunterschiede überdecken. Anschließend an die Beschichtung erfolgt dann meist ein Prägen des Leders. So erhält die Oberfläche wieder eine lederähnliche Oberflächenstruktur, die jedoch bei genauem Hinschauen künstlich wirken kann, weil die natürlichen Merkmale und Unregelmäßigkeiten fehlen.
Was makellos aussieht, hat es chemisch in sich. Die Kunststoffe, u.a. Polyurethan, Acryllacke, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Vinylverbindungen, organische Kohlenwasserstoffe wie Butadien, bergen gesundheitliche Risiken in sich. Von Allergieauslösung bis zum Verdacht gesundheitlicher Risiken reichen die Warnungen bei den verwendeten Stoffen.
Hinzu kommt, dass die Zurichtung des Leders dessen Gebrauchseigenschaften verändert. Das Leder wird einerseits unempfindlich gegenüber Verschmutzung und wasserabweisend, weil die Hautporen durch die Beschichtung verschlossen werden. Andererseits wird so aber auch der Luftaustausch zwischen dem Ledergewebe und der Umgebung abgeschnitten. Auf diese Weise kam Leder zu seinem Ruf, ein kaltes Material zu sein. Das trifft jedoch nur auf beschichtetes Leder zu. Naturbelassenes Leder steht im Austausch mit der Umgebungsluft und ist deshalb immer angenehm temperiert.